Es hat viel zu lange gedauert, bis ich verstanden habe, wofür Training eigentlich wirklich da ist…
Wir alle starten mit Training oder einer Ernährungsumstellung, weil wir uns verändern wollen. Weil wir das Narrativ über uns selbst verändern wollen. Wer wir sein wollen. Vielleicht stark, widerstandsfähiger, schlanker oder ausdauernder? Jeder hat ein eigens Ziel, wie er sich verändern will.
In der Literatur ist die Metamorphose (Veränderungsprozess) in drei Akte aufgeteilt: Die verlorene Held, die Veränderung sucht. Der Held wagt den Schritt ins Ungewisse und bringt ein Opfer, das zu der finalen Veränderung führt.
Ich bin seit mehr als 20 Jahren in der Fitnessindustrie und sehe zu oft, dass die Leute die sich verändern wollen lediglich den großen Zeh in den Fluss der Ungewissheit halten und letztendlich nicht bereit sind das Opfer zu erbringen, das nötig ist, um die finale Veränderung herbeizuführen.
Die meisten denken, dass das Opfer die Strapazen der physischen Arbeit sind!? Doch vor alldem muss etwas anderes stattfinden: Die Arbeit an uns selbst. Unserer Einstellung, unserer Haltung und wie wir uns sehen wollen.
“Wenn du den Erzähler veränderst, veränderst du den Menschen".”
Wenn du dich grundlegend verändern willst, musst du die Person verändern, die die Geschichte erzählt. So habe auch ich mich verändert und so werde ich mich wieder verändern, wenn ich entschieden habe, wer ich als Nächstes werden möchte.
Wenn Klienten heute das erste Mal zu mir kommen, führen wir dieses eine wichtige Gespräch. Ich versuche ihnen klarzumachen, dass ich nicht der bin, für den sie mich halten. Ich werde zu dem Menschen, den sie gerade brauchen. Dass es hier nie um bloße Übungen oder reine Performance geht begreifen die meisten lange nicht. Dass mir ein Wettkampf oder ein niedrigerer Körperfettanteil im Grunde egal sind und dass ich ihnen stattdessen helfen will, ihre eigene Geschichte neu zu schreiben braucht Zeit und Vertrauen.
Vielleicht nennt man das immer noch „Coaching“. Aber der Unterschied zwischen einfachem Coaching und dem Verschieben eines Narrativs liegt im Opfer. Eine echte Geschichte verlangt Opfer. Nur wenige Klienten sind bereit, diesen Preis zu zahlen und noch weniger Klienten erinnern sich daran, dass sie es einmal waren.
Du wusstest das früher einmal. Bis du dich damit zufriedengegeben hast, einfach nur schlanker zu werden, eine Zahl auf der Waage zu erreichen oder dich ein bisschen zu verbessern. Du hast den Versuch, jemand neues zu werden, gegen die bloße Instandhaltung deines alten Ichs eingetauscht. Und dieser Deal fühlte sich für dich immer irgendwie unvollenedet an, weshalb du immersion wieder auf der Suche nach etwas neuem bist, dass die finale Veränderung herbeiführen soll. Der Nächste Trainer, das neueste Trainingsprogramm oder ein magisches Supplement, dass dich von der Verantwortung befreit ein echtes Opfer zu bringen.
Das Opfer ist, die Person zu töten, die dafür verantwortlich ist, dass du in einem Körper gefangen bist, den du nicht wertschätzt. Ich weiß, dass es schwer ist einen Mord zu begehen, denn er verändert dich unwiderruflich und es gibt kein zurück mehr.
Mich hat diese Transformation 23h gekostet. Ich startete beim Utramarathon in den französischen Alpen, tötete unterwegs den Johannes, der mich davon abgehalten hat glücklich zu werden und kam als neugeborener Mensch wieder und habe in den kommenden 4 Jahren alles in meinem Leben erreichtes, was mir wirklich mir wichtig ist: Liebe und Glück. Doch dafür musste ich mein Alter Ego in den Bergen lassen. Nur so konnte ich der Held meiner Metamorphose werden.
Aber nicht „Held“ im Sinne eines unfehlbaren Protagonisten. Sondern Held im Sinne der Heldenreise: Jemand, der mutig genug ist, sich selbst noch einmal neu zu erfinden und das Opfer zu bringen, dass die Metamorphose möglich gemacht hat.
Wenn mich Leute fragen, was ich mache und wer ich bin, kann ich stolz sagen: Ich helfe Menschen dabei ein Opfern zu bringen, damit sie sich verändern können.